Erste Milchfarm in Costa Rica Rainforest-Alliance-zertifiziert

21. Februar 2014

2012 wurde in Brasilien die weltweit erste Rinderfarm für nachhaltige, umwelt- und sozialverträglich ausgerichtete Bewirtschaftung Rainforest-Alliance-zertifiziert. Nun ist auch Costa Rica so weit. Die vom landwirtschaftlichen Forschungs- und Schulungsinstitut CATIE (Centro Agronómico Tropical de Investigación y Enseñanza) als Wirtschaftsbetrieb geführte Milchfarm wurde im Februar 2014 erfolgreich zertifiziert. Sie ist damit landesweit die erste Farm, die Produkte mit dem Rainforest Alliance Certified™-Siegel vertreiben darf. Der dem Siegel zu Grunde liegende SAN-Standard für nachhaltige Landwirtschaft (mit eigenen Kriterien für die nachhaltige Rinderhaltung) fordert unter anderem eine ethischen Grundsätzen folgende Behandlung der Tiere und den Erhalt und Schutz natürlicher Ressourcen; er regelt arbeitsrechtliche Bestimmungen und trägt bei zu besseren Lebensbedingungen der Arbeiter und Angestellten sowie der örtlichen Gemeinden. Allen Festangestellten stehen auf der CATIE-Farm beispielsweise Wohnungen mit Elektrizität und Wasseranschluss zur Verfügung.

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Für Ana Lucía Corrales, zuständig für landwirtschaftliche Zertifizierungsprogramme bei der Rainforest Alliance, bedeutet dies einen Meilenstein für die gesamte Viehwirtschaft Costa Ricas. “CATIE demonstriert, dass Milchwirtschaft nachhaltig sein kann. Dass es ohne Entwaldung von Flächen geht, mit geringerem Treibhausgas-Emissionen und zum Tierwohl.” Letzteres ist ein Anliegen, das aktuell in Deutschland stark in den Fokus rückt.

Informationen zur Farm

Die von CATIE betriebene Farm liegt in Turialba, einem saftigen Tal im naturreichen zentralen Hochland Costa Ricas. Sie umfasst gut 600 Hektar Land. Neben der Viehwirtschaft wird Kaffee und Zuckerrohr angebaut und Forstwirtschaft betrieben. Ein Drittel der Fläche (165 Hektar) ist Weideland. Hier grasen 324 Rinder, davon 123 Milchkühe. Abnehmer der Milch ist Dos Pinos, eine der größten Molkereien Costa Ricas.

Bedingungen für die Zertifizierung sind unter anderen CATIEs Engagement für einen verringerten Ausstoß klimaschädlicher Gase (niedriger Carbon Footprint), der Schutz der Lebensräume von Wildtieren und der Erhalt natürlicher Ressourcen. Unter anderem werden Waldflächen erhalten, die in Nähe zu den Kaffeeanbauflächen liegen. Es wird ein Register geführt über alle auf der Farm gesichteten Säugetiere und Vögel. Eine der vorkommenden Arten ist beispielsweise der Südamerikanische Fischotter (Lontra longicaudis). Er wie andere Arten auch gilt als bedroht, weil ihre angestammten Lebensräume zunehmend verloren gehen.

“Das Zertifikat ‘Rainforest Alliance Certified™’ werten wir als wichtige Errungenschaft. Als kommerziell betriebene Farm haben wir erreicht, dass Nachhaltigkeit und Umweltschutz bei der Milchproduktion auch mit der Profitabilität der Farm in Einklang stehen”, sagt CATIE-Generalsekretär José Joaquín Campos, der die Farm künftig auch als Musterfarm für Ausbildungen und Trainings nutzen will.

Informationen zum SAN-Standard für nachhaltige Rinderhaltung

Der SAN-Standard für nachhaltige Rinderhaltung wurde 2010 eingeführt. Wesentliche Anliegen der den Standard für nachhaltige Landwirtschaft ergänzenden Kriterien sind Tierwohl, nachhaltige Landnutzung und Anpassung an den Klimawandel. Für eine erfolgreiche Zertifizierung müssen den Tieren Weideflächen zur Verfügung stehen und die Farmen allgemein eine ethische Anforderungen erfüllende Tierhaltung nachweisen. Auf zertifizierten Farmen erhalten die Rinder leichter verdauliches Futter, was den Methangas-Ausstoß und damit klimaschädliche Emissionen vermindert, behandeln den Dung, erhalten bzw. schützen die auf Weideflächen wachsenden Bäume und angrenzende Waldflächen. Außerdem müssen die Farmen Fließgewässer schützen, Wasserverunreinigungen vermeiden und Abfälle wieder aufbereiten oder angemessen entsorgen. Sie haben die Rechte ihrer Beschäftigten zu respektieren und weitere soziale Erfordernisse zu erfüllen, die den Arbeitern, deren Familien und auch der Gemeinde zu Gute kommen.