Erste Zertifizierung gemäß Standard für nachhaltige Rinderhaltung

19. Juni 2012

Rinderfarm in Brasilien Pilot für Rainforest Alliance Certified™-Nachhaltigkeitsstandard

Die brasilianische Farmgruppe Fazendas São Marcelo ist die weltweite erste, die nach dem Standard für nachhaltige Rinderhaltung zertifiziert wurde und das Siegel Rainforest Alliance Certified™ führen darf. Zu den strikten Anforderungen, die die Farm dafür zu erfüllen hat, gehören der artgerechte, verantwortungsbewusste Umgang mit den Tieren, der Schutz natürlicher Ressourcen, die Wahrung der Rechte der Arbeiter und soziale Fürsorge. Der Standard wurde vom Sustainable Agriculture Network (SAN) – Netzwerk für nachhaltige Landwirtschaft –, einer internationalen Gruppe von Umweltschutzorganisationen, zu denen auch die Rainforest Alliance gehört, entwickelt und Ende 2010 in gültiger Fassung vorgestellt. Anlass dafür war die zunehmende Zerstörung tropischer Wälder für die Gewinnung von Farmland. IMAFLORA, Mitglied im SAN und ansässig in Brasilien, war für die Zertifizierung zuständig.

“Die Gewinnung von Land für die Aufzucht von Rindern ist der Hauptanlass für großflächige Waldzerstörungen im Amazonasgebiet“, so Tensie Whelan, Präsidentin der Rainforest Alliance. “Die Fazendas São Marcelo sind ein großartiges Beispiel für alle Farmen in Latein- und Südamerika, dass Viehwirtschaft im Einklang stehen kann mit der Existenz freilebender Wildtiere und der Umwelt.”

Die im Bundesstaat Mato Grosso im Westen Brasiliens gelegene aus vier Einzelfarmen bestehenden Fazendas São Marcelo erstrecken sich über eine Fläche von 32.000 Hektar, inklusive eines 13.000 Hektar großen Schutzgebietes am Amazonas. Dieses Schutzgebiet dient als Pufferzone gegenüber dem angrenzenden Waldgebiet und bietet wandernden Arten Schutz und Rückzugsraum. Auf den nachhaltig bewirtschafteten Grünflächen weiden rund 60.000 Rinder.

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Nachhaltige Viehwirtschaft auf den Fazendas São Marcelo

Aufgrund der Zertifizierung schützen die Farmen nicht nur Lebensraum für wildlebende Tiere, sie müssen auch die eigenen Tiere verantwortungsbewusst und artgerecht behandeln. Dazu gehört das Vorhandensein von Schattenbäumen auf den Weiden, um den Tieren Schutz zu bieten vor Hitze, Wind und Regen. Auch müssen tiermedizinische Versorgung und Impfmöglichkeiten auf den Farmen vorgehalten werden, damit die Tiere nicht unnötigem Stress ausgesetzt werden. Zusätzlich und weil 18 Prozent der für den Treibhauseffekt mitverantwortlichen Gasemissionen aus Viehhaltung stammen, erhalten die Tiere auf den Fazendas São Marcelo ein besonderes Futter. Es ist leicht verdaulich und aus natürlichen Bestandteilen und hilft so, den Methanausstoß aus dem Verdauungsprozess der Tiere zu reduzieren.

Ein weiteres Augenmerk der Fazendas São Marcelo richtet sich auf das Wohlergehen der Farmer und ihrer Familien. Da die Angestellten zumeist Männer sind, erhalten deren Frauen handwerkliche und Kochkurse, um auch ihnen eine eigene Einkommensmöglichkeit zu bieten. Eine der vier Farmen innerhalb der Gruppe unterhält, da sie sehr entlegen liegt, eine eigene Schule für die 20 dort wohnenden Kinder. Die Kinder auf den drei anderen Farmen besuchen öffentliche Schulen, die aber finanziell unterstützt werden von den Farmen. Das kommt auch den insgesamt 10.000 Schulkindern der Nachbargemeinden zugute.

Ergänzende Informationen

Der Standard für nachhaltige Rinderhaltung wurde vom Sustainable Agriculture Network (SAN) – Netzwerk für nachhaltige Landwirtschaft – entwickelt. Der dreijährigen Entwicklungsarbeit schloss sich ein Prozess öffentlicher Konsultationen an. Darin eingebunden waren über 130 Organisationen aus 34 Ländern, darunter Rinderzüchter, Industrieverbände, Universitäten und Regierungsstellen sowie Vertreter von Umwelt- und Tierschutzorganisationen. Die Praxistauglichkeit des Standards wurde getestet in Australien, Brasilien, Kolumbien, Costa Rica, Kenia und Nicaragua, bevor 2010 die endgültige Fassung des Standards vorgelegt wurde.

In Brasilien unterstützt IMAFLORA die Zertifizierung von Rinderhaltung. Im vorliegenden Fall geschah dies in Zusammenarbeit mit weiteren nationalen Nichtregierungsorganisationen wie Amigos da Terra, Regierungsstellen und internationalen Naturschutzorganisationen wie der National Wildlife Federation.