Gemeinsame Stellungnahme von 4C Association, Rainforest Alliance/SAN und UTZ Certified zum Artikel „Fairer Handel .Unfaire Geschäfte“ im Magazin Ökotest, Ausgabe August 2012

3. August 2012

Am Freitag, den 27. Juli 2012 veröffentlichte das deutsche Magazin Ökotest einen Artikel, in dem es seine Testergebnisse zum Thema „Fairer Handel. Unfaire Geschäfte“ wiedergibt. Dabei wurde definiert, welche Standards bzw. Label das Magazin als „fair“ oder „unfair“ erachtet. Es wurden verschiedene Produktkategorien bewertet, unter anderem auch Kaffee und Kakao.

Um bestimmen zu können, ob ein bestimmtes Produkt „fair“ ist, hat Ökotest vier Kriterien festgelegt: a) einen garantierten Mindestpreis für Produzenten, b) die Vorfinanzierung, c) einen gesetzlich festgelegten Mindestlohn für die Arbeiter und d) die Einhaltung der Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation (International Labour Organization, ILO), hier besonders das Verbot von Kinderarbeit.

Diese Kriterien stimmen mit den Standards des Fairtrade Labels überein. Alles, was davon abweicht, wird von Ökotest per se als „unfair“ – mit verschiedenen Abstufungen – bezeichnet. Als Stellungnahme zu dem Artikel möchten die 4C Association, die Rainforest Alliance/SAN und UTZ Certified gemeinsam Folgendes erklären:

  • Wir begrüßen alle Anstrengungen, das Bewusstsein für nachhaltige Produktion bei den Konsumenten zu fördern. Allerdings sind wir der Meinung, dass der von Ökotest durchgeführte Test nicht konstruktiv ist und die gemeinsamen Bemühungen der verschiedenen Standards behindert, Nachhaltigkeit in der tropischen Landwirtschaft voranzubringen. Tatsächlich wird die überwiegende Mehrheit tropischer Agrarprodukte wie Kaffee, Kakao, Tee, Bananen oder Ananas immer noch nicht nachhaltig produziert. Im Fall von Kaffee zum Beispiel werden weniger als 10 % der gesamten weltweit verkauften Menge nach nachhaltigen Standards angebaut . Nicht-nachhaltige, konventionelle Anbaumethoden haben verheerende Einflüsse auf die Umwelt sowie soziale und wirtschaftlich nachteilige Konsequenzen für bäuerliche Gemeinschaften weltweit. Farmer, die mit der Rainforest Alliance/SAN, UTZ Certified, 4C Association und anderen Nachhaltigkeits-Organisationen zusammenarbeiten, tun dies, weil sie den Nutzen eines umfassenden Farm-Managements für den Umweltschutz, für ihre Arbeiter und für die Verbesserung ihrer allgemeinen wirtschaftlichen Situation erkannt haben. Das Bekenntnis dieser Farmer zu Zertifizierungs- und Verifizierungsstandards und Nachhaltigkeit derart zu ignorieren, wie im Artikel von Ökotest dargestellt, lässt die gute Arbeit dieser Farmer außer Acht und unterminiert die Vorteile dieser Anstrengungen.
  • 4C Association, die Rainforest Alliance/SAN und UTZ Certified sind vertrauenswürdige Nachhaltigkeitsstandards und, genau wie Fairtrade International, Vollmitglieder der ISEAL Alliance. Als solche halten sie sich an die von ISEAL definierten Richtlinien (ISEAL Code of Good Practice). Diese stellen sicher, dass ihre Grundsätze und Prozesse transparent, glaubwürdig und effektiv und gegenseitig validiert sind.
  • Im Februar 2011 verabschiedeten die Standard-setzenden Organisationen Fairtrade International, die Rainforest Alliance/SAN und UTZ Certified eine “Gemeinsame Erklärung” zum gegenseitigen Respekt. Sie bekräftigen hier den Willen zur gemeinschaftlichen Zusammenarbeit zum Nutzen der Bauern in den Erzeugerländern. Dessen Kernaussage und das, was diese Organisationen eint: die Landwirtschaft in den Tropen zu verändern, mit Hilfe von Zertifizierungen als glaubwürdigem, zuverlässigem Mittel dafür. Die Organisationen erkennen an, dass es unterschiedliche Wege gibt, um die Landwirtschaft in den Tropen zum Nutzen der Farmer umzuwandeln. Die 4C Association als weltweite Plattform für nachhaltigen Kaffee ist selbst kein Zertifizierungssystem. Die 4C Association hat einen Basisstandard für nachhaltigen Kaffee und ein Verifizierungssystem definiert. Sie versagt Unternehmen, ein Label auf den Produktverpackungen aufzubringen. Der Basisstandard der 4C Association ist anerkannt als ein glaubwürdiger, Nutzen bringender erster Schritt hin zu einer Zertifizierung. Sowohl die Rainforest Alliance/SAN als auch UTZ Certified sind Mitglieder der 4C Association.
  • Anlässlich des Rio 20+-Erdgipfels präsentierte das Komitee zur Bewertung von Nachhaltigkeit (Committee on Sustainable Assessment, COSA) vor Kurzem erste Einblicke und Ergebnisse einer Untersuchung. Demnach leisten alle im Bereich Kaffee und Kakao untersuchten Zertifizierungsstandards – Fairtrade, UTZ Certified, Rainforest Alliance Certified™ und weitere – einen positiven Beitrag zur Entwicklung tropischer Farmergemeinschaften hin zu mehr Nachhaltigkeit, zum Beispiel durch höhere Erträge und Preispremiums und andere Faktoren. Die Ergebnisse zeigen, dass alle Zertifizierungssysteme in den sechs untersuchten Ländern zu einem im Durchschnitt um 34% höheren Nettoeinkommen für die Farmer beitragen. Für weitere Details wenden Sie sich bitte direkt an COSA: http://www.thecosa.org/contact.html bzw. sehen den kürzlich im Schweizer Fernsehen gesendeten Beitrag dazu: http://www.videoportal.sf.tv/video?id=6328b445-5fc2-4327-8ce0-a090eea5b157. Der Basis-Standard der 4c Association ist ein erster Schritt für die Farmer hin zu einer späteren Zertifizierung.
  • Der in Ökotest (Ausgabe vom 27. Juli 2012) veröffentlichte Test steht in Widerspruch zu früheren in Ökotest veröffentlichten Informationen, die die positiven Auswirkungen der anderen Nachhaltigkeitsstandards unterstützen. Beispielsweise ein Beitrag, der in der September-Ausgabe 2009 erschien. Darin berichtet Ökotest: “... profitieren die Produzenten aber auch ohne festgelegten Mindestpreis von der Zertifizierung” (hier bezogen auf Rainforest Alliance Certified™; Ökotest 9/2009, Seite 38).
  • Abschließend verweisen 4C Association, die Rainforest Alliance/SAN und UTZ Certified darauf, dass sie weder behaupten noch je behauptet haben, ihr Standard sei ein “Fairtrade“-Standard, noch behaupten, eine Fairtrade-Organisation zu sein, noch sich mit Fairtrade gleichsetzen. Jedes System verfolgt in eigener Weise seine Zielsetzung. Gerade deshalb finden die drei Organisationen es überraschend und enttäuschend, dass sie im Test des aktuellen Heftes mit den erklärten und ausgewiesenen Merkmalen von Fairtrade verglichen und in Konsequenz dessen als “unfair” abgewertet werden. Ökotest hat damit eine große Chance verpasst, Verbraucher über die verschiedenen, sich den Farmern bietenden Wege hin zu mehr Nachhaltigkeit aufzuklären. Und damit ist auch eine Möglichkeit vertan, über die weitreichenden positiven Auswirkungen zu informieren, die sich mit jedem einzelnen Standard verbinden – im Gegensatz zu den überholten, konventionellen Ansätzen, die Farmer in Armut belassen und die zerstörerisch auf die Umwelt wirken.

Mehr über UTZ Certified, die Rainforest Alliance/SAN und 4C Association erfahren Sie unter :

Rainforest Alliance, Max Havelaar and UTZ Certified