Klimafreundliche Landwirtschaft: SAN stellt Serviceprogramm für Landwirte vor, um dem Klimawandel zu begegnen

10. Februar 2011

Die internationale Umweltschutzorganisation Rainforest Alliance und das Netzwerk für nachhaltige Landwirtschaft SAN (Sustainable Agriculture Network) stellten heute ein wegweisendes Klimamodul vor. Es definiert Kriterien zur Abschwächung des bzw. Anpassung an den Klimawandel. Entwickelt wurden sie in Zusammenarbeit mit einer Reihe von Bündnispartnern, der Interamerikanischen Stiftung für tropische Forschung FIIT (Fundación Interamericana de Investigación Tropical), Guatemala, der Umweltschutzorganisation SalvaNATURA, El Salvador, dem Nationalen Kaffeeverband Anacafé, Guatemala, dem Kaffee- und Kakao¬importeur Efico, der Universität del Valle als guatemaltekischem Forschungsinstitut und mit finanzieller Unterstützung durch die Rockefeller Stiftung, Efico und Caribou Coffee.

Das Klimamodul zielt darauf ab, die Farmer für die Auswirkungen des Klimawandels zu sensibilisieren und sie dafür zu gewinnen, auf eine klimafreundliche Landwirtschaft umzustellen. Ziel ist, die Emission von Treibhausgasen zu reduzieren, das Kohlenstoff-Speichervermögen zu erhöhen und die Möglichkeiten der Farmen, sich dem Klimawandel anzupassen, zu verbessern.

„Die Landwirte spielen für die Abmilderung der negativen Effekte des Klimawandels eine fundamentale Rolle“, bestätigt Gianluca Gondolini, Projektverantwortlicher der Rainforest Alliance für nachhaltige Landwirtschaft in Lateinamerika. „Mit dem neuen Modul, das das SAN und die Rainforest Alliance nun vorgestellt haben, können Farmer zeigen, dass eine klimafreundliche Landwirtschaft den Mehrwert des SAN-Standards noch verstärkt, indem sie den Übergang zu einer landwirtschaftlichen Produktion mit niedriger Kohlenstoffemission begünstigt.“

Das Projekt wurde im Jahr 2008 in Guatemala begonnen. Efico, Anacafé und die Rainforest Alliance arbeiteten mit Kaffeefarmern in den Departments San Marcos, Santa Rosa und Jalapa zusammen. Auf den teilnehmenden Farmen wurden die Kohlenstoffspeicherkapazität gemessen und die Treibhausgasemissionen berechnet.

Das Klimamodul wurde auf Basis einer öffentlichen Beratung unter Leitung des SAN entwickelt. An den Konsultationen waren mehr als 350 Interessenvertreter aus 41 Ländern beteiligt. Feldstudien und begleitende Trainings fanden in Lateinamerika, Afrika und Asien statt. Sie sollten über das Umsetzungspotenzial des Klimamoduls auf Farmen unterschiedlicher Größe und mit unterschiedlichen Produktionsweisen Aufschluss geben.

Das Klimamodul wurde im Dezember 2010 vom internationalen Standardkomitee des SAN freigegeben. Dieses Gremium ist in alle Erweiterungen und Änderungen des SAN-Standards und seiner Anhänge eingebunden. Rainforest Alliance-zertifizierte Produzenten haben ab sofort die Möglichkeit, ihre Bewirtschaftung am Klimamodul auszurichten. Die Überprüfung erfolgt in Verbindung mit der jeweiligen Überprüfung der Konformität mit dem SAN-Standard.

Die neuen Kriterien zur Anpassung an den Klimawandel stärken nicht nur die nachhaltige Wirtschaftsweise, die von den zertifizierten Farmen bereits gefordert wird. Sie heben auch besonders die Maßnahmen hervor, die die größte Wirkung gezeigt haben, den Klimawandel abzuschwächen bzw. sich an ihn anzupassen. Das SAN hat dafür Richtlinien ausgearbeitet, die strikt, annehmbar und einfach zu implementieren sind und langfristigen substantiellen Nutzen mit sich bringen. „Das Klimamodul ist ein praktisches und umsetzbares Instrument für den gesamten Kaffeesektor“, so Katrien Delaet von Efico. „Es erlaubt den Produzenten, klimafreundliche landwirtschaftliche Praktiken umzusetzen, und motiviert Handel und Industrie, sich ihrerseits dazu zu verpflichten, ihre Kohlenstoffemissionen zu reduzieren.“

Eine klimafreundliche Landwirtschaft kann sogar zu einer Reduzierung der Produktions- und Betriebskosten führen und die Rentabilität erhöhen, etwa durch einen geringeren Energie- und Wasserverbrauch, das Entstehen von Nebenprodukten aus landwirtschaftlichem Abfall und den effizienteren Einsatz von Düngemitteln. „Wir haben das SAN-Klimamodul von Anfang an unterstützt, damit die Anstrengungen der Kaffeeproduzenten für bessere Umweltbedingungen Anerkennung finden“, erklärt Nils Leporowski, Vizepräsident von Anacafé.

Produzenten, die sich zur Einführung des SAN-Klimamoduls verpflichten, werden die Risiken leichter erkennen können, die der Klimawandel für ihre Farmen und Gemeinden mit sich bringt. Sie werden besser vorbereitet sein, seine Auswirkungen abzumildern oder sich ihnen anzupassen. Die Produzenten lernen einzuschätzen, wie anfällig sie jeweils sein werden, wenn es zu längeren Trockenzeiten oder schweren Überschwemmungen kommt. Diese werden zunehmend häufiger und ausgeprägter auftreten und begleitet sein von Veränderungen in den Vegetationszeiten und vermehrtem Ausbruch von Pflanzenkrankheiten und Schädlingsbefall. Außerdem befähigt sie das Klimamodul, die Kohlenstoffspeicherkapazität ihrer Farm zu erhöhen, indem sie ausgelaugte Ackerböden wiederaufbereiten, abgeholzte Flächen wiederaufforsten und Maßnahmen zur Erhaltung des Bodens umsetzen.

Aussagen des IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change), der führenden internationalen Organisation für die Bewertung des Klimawandels, zufolge ist die Landwirtschaft eine der Hauptursachen für den Klimawandel. Sie verantwortet 14 Prozent der Treibhausgasemissionen, mehrheitlich die Folge von Bodenerosion, unzulänglichen Bewässerungspraktiken, unkontrolliertem Einsatz von Dünger und anderen Agrochemikalien, Verbrennen von Biomasse und Viehzucht. Berücksichtigt man auch die Abholzungen, vorgenommen für die weitere Ausdehnung landwirtschaftlicher Flächen und Forstplantagen, erhöht sich der Anteil der Landwirtschaft an den Treibhausgasemissionen auf 30 Prozent.

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