Das Sustainable Agriculture Network (SAN) -- Netzwerk für nachhaltige Landwirtschaft
Das Sustainable Agriculture Network (SAN) – Netzwerk für nachhaltige Landwirtschaft – ist ein Zusammenschluss führender Umweltschutzorganisationen. Sein Bestreben ist, verantwortungsbewusst handelnde Bauern mit bewusst kaufenden Verbrauchern zusammenzubringen. Der Weg dorthin führt über das Siegel „Rainforest Alliance Certified™" und das, wofür es steht: Erfüllung der von der SAN entwickelten Standards für Nachhaltige Landwirtschaft. Das SAN möchte bestehende Umwelt- und Sozialbedingungen in der Landwirtschaft verändern, indem es sich für eine nachhaltig ausgerichtete Bewirtschaftung einsetzt. Mit dem Sustainable Agriculture Standard (Standard für nachhaltige Landwirtschaft) hat das SAN einen eigenen Standard hierfür entwickelt. Inzwischen sind weltweit mehr als 500.000 Farmen in 27 Ländern nach diesem Standard zertifiziert, und die Anzahl wächst beständig. Die mit den Zertifizierungen betrauten Experten für Umwelt- und Naturschutzmaßnahmen und für ländliche Entwicklung zeichnen sich außerdem durch Kenntnis und Verständnis der lokalen Bedingungen aus, sei es Kultur, politische Verhältnisse, Sprache oder ökologische Gegebenheiten. Sie sind in der Durchführung von Auditierungen entsprechend international geltender Richtlinien geschult. Das SAN bietet darüber hinaus ein Diskussionsforum, wo sich Farmer, Wissenschaftler, Meinungsbildner, Gemeindevorsitzende, Akademiker, Umweltschützern und andere Aktivisten weltweit miteinander austauschen können.
Durch die Einführung seines Umwelt-, sozial und ökonomisch ausgerichteten Standards für Nachhaltige Landwirtschaft, fördert das SAN den Erhalt der Artenvielfalt und nachhaltige Lebensbedingungen für Farmbesitzer, Arbeiter und ihre Familien. Das SAN setzt sich dafür ein, dass die seinem Standard zugrunde liegenden Nachhaltigkeitskriterien weltweit von allen Akteuren entlang der Produktions- und Lieferkette angewendet werden. Gegenüber den Bauern setzt sich das SAN dafür ein, dass sie ihre Landwirtschaft möglichst naturnah und sozialverträglich gestalten. Einkäufer und weiterverarbeitende Unternehmen sowie die Verbraucher werden dazu motiviert, das Engagement der Bauern zu unterstützen.
Weitere Informationen
Wer gehört zum Sustainable Agriculture Network (SAN) – Netzwerk für nachhaltige Landwirtschaft?
Das Sustainable Agriculture Network (SAN) – Netzwerk für nachhaltige Landwirtschaft – besteht derzeit aus neun Umweltorganisationen (NGOs), ansässig in Belize, Brasilien, Kolumbien, Costa Rica, Ecuador, El Salvador, Guatemala, Honduras, Indien und Mexiko. Ihm verbunden sind zahlreiche weitere umwelt- und sozial verantwortlich arbeitende Gruppen weltweit. Die gemeinschaftliche Vision ist das Konzept der Nachhaltigkeit. Denn das Wohlergehen von Gesellschaften und Ökosystemen ist untrennbar verbunden mit einer intakten Umwelt, sozialer Gleichberechtigung und wirtschaftlicher Lebensfähigkeit.
Was sind die Ziele des Sustainable Agriculture Network (SAN) – Netzwerk für nachhaltige Landwirtschaft?
Hauptziel des SAN ist, Bauern zu einer nachhaltig ausgerichteten Landwirtschaft zu motivieren und Einkäufer und weiterverarbeitende Unternehmen sowie Verbraucher dazu, die Bauern darin zu unterstützen, indem sie bewusst nachhaltig erzeugte Produkte kaufen. So sollen der Erhalt der Biodiversität und das ökologische und soziale Wohlergehen der Menschen, vor allem in den Erzeugerländern, sichergestellt werden. Außerdem soll ein Bewusstsein bei allen Beteiligten dieser Prozesskette – den Bauern als Produzenten landwirtschaftlicher Produkte, den Unternehmen als Händler und Verarbeiter und den Konsumenten – dafür geschaffen werden, wie intakte Ökosysteme, nachhaltige Landwirtschaft und eine lebendige selbstbestimmte dörfliche Gemeinschaft aufeinander aufbauen und voneinander abhängen. Wir, die Mitglieder des SAN, gehen davon aus, dass mehr Bewusstsein und Verständnis für diese Zusammenhänge Unternehmen und Konsumenten motivieren, nachhaltig und damit verantwortungsvoll erzeugte Landwirtschaftsprodukte zu wählen.
Wie kam es zur Gründung des Sustainable Agriculture Network (SAN) – Netzwerk für nachhaltige Landwirtschaft?
Das Sustainable Agriculture Network (SAN) entstand, als Forscher und Umweltschützer in den 1970er und 1980er-Jahren zunehmend auf den Zusammenhang aufmerksam machten zwischen dem vorherrschenden Modell für Entwicklungsarbeit und der Zerstörung der tropischen Regenwälder. Ein Thema, das in wissenschaftlichen Publikationen, Büchern und in Reportagen der Massenmedien hohe Aufmerksamkeit fand. Verschiedene diesem Themenkreis verbundene Gruppen entschlossen sich zu einer Zusammenarbeit und formierten das SAN. Sie alle hatten für sich bereits festgestellt, dass die auf nachhaltige Bewirtschaftung ausgerichtete Zertifizierung von Farmen ein kosteneffektives Werkzeug sein dürfte, um die Umwelt zu schützen und gleichzeitig die Lebensbedingungen für die ländliche Bevölkerung zu verbessern.
Die Zusammenarbeit stellte im Umfeld von Umweltschutz und Entwicklungshilfe etwas Außergewöhnliches dar. Denn sie war nicht im Norden geplant worden, um im Süden durchgeführt zu werden. Diese Zusammenarbeit hatte sich im Süden entwickelt und wurde vermarktet im Norden. Anstatt sich allein auf Projekte zu fokussieren, erarbeiteten die SAN-Mitglieder gemeinsam einen Standard. Anhand der darin festgeschriebenen Kriterien können heute Farmen zertifiziert werden, die unterschiedlichste landwirtschaftliche Erzeugnisse anbauen.
So ist die Geschichte des SAN die Geschichte einer Kooperation von Umweltgruppen, die gemeinsame Ziele verbinden. Zugleich ist sie die Schaffung einer Verbindung zwischen der Nord- und Südhalbkugel zum Schutz der tropischen Natur und zu Gunsten der dörflichen Gemeinschaften.
Historische Entwicklung des Sustainable Agriculture Network (SAN) – Netzwerk für nachhaltige Landwirtschaft
Die Geburtsstunde eines Netzwerks
Die Geschichte des SAN beginnt mit der Geschichte seiner Mitglieder. Das älteste, Fundación Natura, gründete sich 1984 in Bogotá, Kolumbien. 1987 formierte eine Gruppe von Umweltaktivisten in New York die Rainforest Alliance, um gegen die Zerstörung des Regenwalds vorzugehen. Zeitgleich schuf eine Gruppe von Biologen in Guatemala die Fundación Interamericana de Investigación Tropical (FIIT) (Inter-American Tropical Research Foundation). In Zusammenarbeit mit der Texas A&M University begannen die Biologen vom FIIT eine Bestandsaufnahme der vielfältigen Ökosysteme Guatemalas. Zur gleichen Zeit gründeten Biologen, die in ähnlicher Weise im Süden Mexikos tätig waren, eine Gruppe, die spätere Pronatur Sur, um den Umweltschutz in Chiapas voranzutreiben. Die Rainforest Alliance und die Fundación Ambio begannen eine Partnerschaft in Costa Rica. Sie basierte auf der Ansicht, dass Umweltschützer eine Veränderung zum Positiven erreichen könnten, wenn sie mit privatwirtschaftlichen Farmern zusammenarbeiten, um die negativen Einflüsse der Bewirtschaftungsform zu verringern und den sozialen Nutzen zu steigern.
Die Rainforest Alliance und die Fundación Ambio begannen eine Partnerschaft in Costa Rica. Sie basierte auf der Ansicht, dass Umweltschützer eine Veränderung zum Positiven erreichen könnten, wenn sie mit privatwirtschaftlichen Farmern zusammenarbeiten, um die negativen Einflüsse der Bewirtschaftungsform zu verringern und den sozialen Nutzen zu steigern.
1997 war es soweit: Die Gruppen schlossen sich zu einem Netzwerk, dem SAN Sustainable Agriculture Network (Netzwerk für Nachhaltige Landwirtschaft), zusammen. Damit erleichterten sie sich auch die länderübergreifende Zusammenarbeit. „Das Großartige am SAN ist, dass es ein Netzwerk ist, das in Lateinamerika zusammen mit der Rainforest Alliance ins Leben gerufen wurde und sich auf die ganze Welt projiziert hat", so Mauricio Ferro, Co-Executive Director von Conservación & Desarrollo, Ecuador.
Erste Zertifizierungen nachhaltig ausgerichteter Landwirtschaft
Ende der 1980er Jahre gab es einen regelrechten Nachfrageboom für Bananen und damit eine entsprechende Ausweitung des Bananenanbaus. Die negativen Folgen waren Abholzungen von tropischen Wäldern, um zusätzliche Anbauflächen zu schaffen, und verstärkte Anwendung von Pestiziden, die zu Vergiftungen bei den Farmarbeitern führte. Vor diesem Hintergrund wurde 1991 das Better Banana Project (Proyecto Banano Amigo) ins Leben gerufen: Das nachhaltige Landwirtschaftsprogramm in Costa Rica war geboren. Eine Reihe von Workshops mit Farmern, Wissenschaftlern und Aktivisten erörterte Möglichkeiten, wie man den Bananenanbau verbessern könnte. Daraus resultierte die Ausarbeitung von Richtlinien für eine nachhaltige Landwirtschaft und, darauf aufbauend, eines Standards, um zur Verbesserung der Farmbewirtschaftung beizutragen. Die Rainforest Alliance entwickelte das ECO OK-Siegel und half dabei, ein System auszuarbeiten, um Farmen zu zertifizieren, die die Richtlinien des Standards erfüllten. 1992 erhielt die Finca Platanera Río Sixaola in Costa Rica als erste Farm das ECO OK-Siegel.
Im gleichen Jahr, 1992, trat die FIIT dem Programm bei und begann, einen Standard für Kaffeefarmen in Guatemala zu entwickeln. Auch andere Gruppen waren daran interessiert, die ökologischen Vorteile von Schattenwaldkaffeeplantagen herauszustellen und zu fördern. Darunter auch die Fundación Natura, Pronatur Sur und SalvaNATURA, die 1990 in El Salvador gegründet wurde.
Das Institute for Cooperation and Self Development (ICADE) in Honduras und die Conservación & Desarrollo (CyD) in Ecuador gründeten sich 1992. CyD trat der Gruppierung 1995 bei, als ein Standard für den nachhaltigen Anbau von Kakao – die Basis von Schokolade – entwickelt wurde. Im gleichen Jahr wurde das Institute for Agricultural and Forestry Management Certification (Imaflora) in Brasilien gegründet und nahm die Zusammenarbeit mit der Rainforest Alliance auf für die Zertifizierung erster Zuckerrohrfarmen in Brasilien.
1995 entschloss sich Chiquita, langfristig alle 115 unternehmenseigenen Bananenplantagen „Rainforest Alliance Certified™"-zertifizieren zu lassen. Die Fundación Ambio und die Rainforest Alliance bildeten daraufhin geeignete Auditoren aus, unter ihnen auch Biologen des CyD und des FIIT. 1996 wurde in Guatemala die erste Kaffeefarm „Rainforest Alliance Certified™"-zertifiziert. 1998 wurden in Ecuador 41 Kakaofarmen „Rainforest Alliance Certified™"-zertifiziert.
Seit 1997 arbeiten die einzelnen Gruppen als eng kooperierendes Netzwerk miteinander. Der Zusammenschluss zum SAN Sustainable Agriculture Network (Netzwerk für nachhaltige Landwirtschaft) erleichterte ihnen unter anderem die Zusammenarbeit in den einzelnen Ländern.
Einen Markt für nachhaltige Produkte schaffen
2001, mit Zustimmung der anderen SAN-Mitglieder, ersetzte die Rainforest Alliance das ECO-OK- durch das Rainforest Alliance-Certified™-Siegel. Das Siegel mit dem grünen Frosch promotete sie fortan auch international. 2003 begannen zahlreiche mittelgroße Unternehmen, Kaffee von Rainforest-Alliance-zertifizierten Farmen in Nordamerika, Europa und Asien zu verkaufen. Kraft Foods, einer der weltgrößten Kaffeeröster, brachte 2005 mehrere Kaffeeprodukte mit dem Rainforest Alliance Certified™-Siegel in Nordamerika und Europa auf den Markt. Im gleichen Jahr begann Chiquita damit, Rainforest Alliance Certified™-gesiegelte Bananen in Supermärkten in ganz Europa zu verkaufen, und auch Schokolade und Orangensaft von zertifizierten Farmen waren in den Regalen zu finden. 2006 lagen die weltweiten Einzelhandelsumsätze mit Kaffee, Bananen und Kakao von Rainforest Alliance Certified™zertifizierten Farmen bereits bei über einer Milliarde US-Dollar, und es gab über 10.000 zertifizierte Farmen in 15 Ländern.
Das Zertifizierungsprogramm wurde stetig ausgebaut und auf weitere Nutzpflanzen wie Blumen, Tee und Ananas erweitert. Um die wachsende Nachfrage zu erfüllen und sich den aufkommenden Herausforderungen stärker regulierter Märkte zu stellen, restrukturierten die SAN-Mitglieder ihr Netzwerk. Zur Wahrung der Unabhängigkeit wurde die Auditierung der Farmen von unabhängigen Organisationen übernommen. 2007 gründete das SAN das International Standards Committee (ISC), und verabschiedete 2008 einen überarbeiteten und neu strukturierten Standard. Ende 2008 gab es bereits über 31.000 Rainforest Alliance Certified™-zertifizierte Farmen in 19 Ländern mit einer Fläche von rund 500.000 Hektar.
Weiter in eine nachhaltige Zukunft
Die stark wachsende Nachfrage für Produkte mit dem Rainforest Alliance Certified™-Siegel resultierte in steigenden Anfragen für Farm-Zertifizierungen außerhalb Lateinamerikas. 2006 führten die Auditoren die ersten Prüfprozesse in Afrika durch. In der Folge wurden 678 Kleinbauern in Äthiopien gruppenzertifiziert. Darauf folgten 2007 die Zertifizierung von Kakaofarmen in Côte d'Ivoire und die Zertifizierung der ersten Teeplantagen in Kenia. Die ersten Zertifizierungen in Asien fanden 2006 auf den Philippinen statt (Ananas- und Bananenanbau). 2008 folgten Indonesien und Indien (Kaffee- und Teeanbau).
Im Jahr 2010 beendete das SAN außerdem die erste Runde eines öffentlichen Beratungsprozesses zur Schaffung eines ergänzenden Standards für nachhaltige Rinderhaltung. An ihm nahmen 165 Interessenvertreter aus 34 Ländern teil. Der größte Meilenstein im Jahr 2010 für das SAN war jedoch die Aufnahme seines ersten asiatischen Partners, The Nature Conservation Foundation (Indien). Über welches Potenzial Indien verfügt, zeigt sich daran, dass es dort bis zum Jahresende 2009 schon annähernd 200 Rainforest Alliance Certified™-zertifizierte Kaffe-, Tee- und Pfefferfarmen gab.