Die Rainforest Alliance gibt erweitertes Zertifizierungsprogramm und Standard bekannt

29. Juni 2020

Das Zertifizierungsprogramm der Rainforest Alliance hat eine weitere Hürde in ihrer Entwicklung genommen. Am 30. Juni geht ein neues Programm mit aussagekräftigeren und wirkungsvolleren Kriterien und Messinstrumenten an den Start, das mehrere Kern-Innovationen beinhaltet. Dieses neue Programm wird ab Mitte 2021 die bestehenden Zertifizierungsprogramme von Rainforest Alliance und UTZ ersetzen.

Die internationale Non-Profit-Organisation geht davon aus, dass das neue Zertifizierungsprogramm mindestens zwei Millionen FarmerInnen dabei helfen wird, bessere Ernten zu erzielen, sich an den Klimawandel anzupassen, ihre Produktivität zu steigern und Kosten zu reduzieren.

Führende Marken und Unternehmen in der Lieferkette werden das Programm nutzen, um den Nachschub zertifizierter Zutaten zu gewährleisten, ihrer Verantwortung gerecht zu werden und die steigende Nachfrage der KonsumentInnen nach nachhaltigeren Produkten zu erfüllen.

Das neue Programm besteht aus dem 2020 Nachhaltigkeitsstandard für die Landwirtschaft mit Anforderungen an Farmen und Lieferketten, einem neuen Qualitätssicherungssystem und einem ganzen Bündel an Werkzeugen, um besser einschätzen zu können, wie weit wir auf dem Weg in Richtung Nachhaltigkeitsziele schon gekommen sind. Zwei Jahre hat es gedauert, diesen entscheidenden Punkt zu erreichen. Dabei konnte auf 45 Jahre Erfahrung auf dem Gebiet der Zertifizierung zurückgegriffen werden, die sich aus dem Zusammenschluss der Rainforest Alliance und UTZ im Jahr 2018 ergeben haben.

Zur Entwicklung des neuen Zertifizierungsprogramms trugen auch öffentliche Konsultationen unter Beteiligung von mehr als 1.000 Menschen in fast 50 Ländern und aus mehr als 200 Organisationen bei.

„Das neue Zertifizierungsprogramm enthält neue Werkzeuge zur Unterstützung von Farmern und Unternehmen bei der Formulierung klarer Nachhaltigkeitsziele und der Bündelung von Investitionen, um positive Effekte für Mensch und Natur zu erreichen”, so Ruth Rennie, Director of Standards and Assurance bei der Rainforest Alliance. „Diese Tools und Innovationen führen zu einer resilienteren Landwirtschaft und machen verantwortungsbewusste Geschäftspraktiken zur Selbstverständlichkeit. Dies ist umso wichtiger im Zeitalter des Klimawandels, des Verlusts von Biodiversität und einem globalen Ungleichgewicht”, fügt sie hinzu.

„Das ehrgeizige und innovative Zertifizierungsprogramm ist Teil der Strategie der Rainforest Alliance für die Zusammenarbeit mit FarmerInnen und Unternehmen und die Einbeziehung von Partnern, externen AuditorInnen sowie weiterer NGOs, Regierungen und VerbraucherInnen”, sagt Alex Morgan, Chief Markets Officer bei der Rainforest Alliance. „Nur gemeinsam können wir das Gleichgewicht zwischen Mensch und Natur wiederherstellen und eine Welt schaffen, in der wir im Einklang miteinander leben”, fährt er fort.

Im Mai dieses Jahres veröffentlichte die Rainforest Alliance außerdem ihr neues Siegel, das ab dem 1. September 2020 auf Produktverpackungen und Werbematerial verwendet werden kann. Das neue Siegel wird letztendlich das aktuelle Rainforest-Alliance-Certified-Siegel und das UTZ-Label ersetzen. Das neue Zertifizierungs-Siegel ist ein einfaches Symbol, das VerbraucherInnen zeigt, wie sie eine bessere Wahl treffen können. Es verdeutlicht, dass sich FarmerInnen und Unternehmen dafür einsetzen, ihre Produkte nachhaltiger zu machen und so eine bessere Zukunft für Mensch und Natur zu gestalten.

Schlüsselinnovationen des Zertifizierungsprogramms 2020:

  • Klimafreundliche Landwirtschaft: Eine klimafreundliche Landwirtschaft ist entscheidend für FarmerInnen und Unternehmen weltweit, die sich an den Klimawandel anpassen müssen, um zukünftige Ernten und Existenzgrundlagen, Produkte und Lieferketten zu sichern. Der 2020 Nachhaltigkeitsstandard für die Landwirtschaft richtet sich grundsätzlich auf eine klimafreundliche Landwirtschaft mit dem Fokus auf Anpassung und Resilienz.
  • Menschenrechte: Ein neuer „Assess-and-Address”-Ansatz zur Lösung von Menschenrechtsproblemen wie Kinderarbeit, Zwangsarbeit, Diskriminierung, Gewalt und Belästigung am Arbeitsplatz wurde entwickelt. Statt einfach nur ein Verbot auszusprechen, wodurch das Problem oft nur unsichtbar gemacht wird, konzentriert sich der neue Ansatz darauf, die Risiken einzuschätzen und Gemeinschaften vor Ort einzubinden, um gemeinsam an Prävention zu arbeiten und Probleme anzugehen, dort wo und wenn sie auftreten.
  • Verbessertes Datenmanagement: Das Programm weiß um die Macht der Daten und setzt darum auf eine bessere Analyse von Risiken und Leistungsbewertung, neue digitale Tools für Farmer und einen klareren Leistungsüberblick für Unternehmen. Die Analyse raumbezogener Geodaten wird genutzt, um die Performance zu unterstützen und die Einhaltung wesentlicher Anforderungen des Standards wie die Vermeidung von Abholzung zu überprüfen.
  • Gemeinsame Verantwortung: Das Programm strebt danach, systemimmanente Ungerechtigkeit in weltweiten Lieferketten aufzudecken, wodurch eine zu große Last auf den Schultern von ErzeugerInnen liegt, die im Alleingang eine nachhaltigere landwirtschaftliche Produktion erzielen sollen. ErzeugerInnen müssen von Käufern dafür belohnt werden, dass sie landwirtschaftliche Nachhaltigkeitsziele einhalten. Dies geschieht mit der Zahlung eines verpflichtenden „Nachhaltigkeits-Ausgleichs“, also eines Zusatzbetrags für den Verkauf zertifizierter Ernten, der höher liegt als der Marktpreis. Käufer müssen außerdem Investitionen bereitstellen, um ErzeugerInnen dabei zu unterstützen, ihre Nachhaltigkeitsziele zu erreichen und diese transparent darzustellen.
  • Soziale und ökologische Anforderungen an Lieferketten: Bei der nachhaltigen Beschaffung geht es nicht nur um landwirtschaftliche Methoden auf den Farmen selbst. Im neuen Zertifizierungsprogramm müssen Unternehmen in der Lieferkette, die ein hohes Risiko negativer sozialer und ökologischer Auswirkungen haben, auch verbesserte Methoden einführen. Dabei handelt es sich beispielsweise um die Sicherstellung angemessener Arbeitsbedingungen und den Arbeitsschutz sowie Abwassermanagement.
  • Abholzung: Die Abholzung wird zertifizierten ErzeugerInnen weiterhin verboten, doch das Verbot wird auf die Umgestaltung aller natürlicher Ökosysteme ausgeweitet, darunter auch Feuchtgebiete und Torfmoore, damit mehr Land geschützt und nachhaltiger bewirtschaftet wird.
  • Risikobasierte Anforderungen und Qualitätssicherung: Das neue Zertifizierungsprogramm basiert auf einer detaillierteren Risikobewertung der sozialen und ökologischen Risiken für die nachhaltigere landwirtschaftliche Produktion in verschiedenen Pflanzenbeständen und Ländern. Daten aus der Risikobewertung werden genutzt, um ErzeugerInnen und Unternehmen zu beraten, wie sie Verbesserungen so fokussieren können, dass sie eine maximale Wirkung haben. Ebenso kann die Integration der Risiken in den Qualitätssicherungsprozess Auditoren ein effektiveres Wissen bei der Durchführung von Prüfungen zur Verfügung stellen und ihnen dabei helfen, die dringendsten Fragen anzusprechen.

Was sind die nächsten Schritte?

  • Das neue Zertifizierungsprogramm wird am 30. Juni 2020 auf www.rainforest-alliance.org veröffentlicht.
  • Ab September 2020 beginnt die Rainforest Alliance damit, das neue Zertifizierungsprogramm mit Hilfe eines globalen Schulungsprogramms und der weiteren Entwicklung unterstützender technologischer Systeme rund um die Welt einzuführen.
  • Ab Juli 2021 erfolgen alle Audits nach dem 2020 Nachhaltigkeitsstandard für die Landwirtschaft.

Hinweise an Redakteure

Die Rainforest Alliance arbeitet daran, mit Hilfe unseres Zertifizierungsprogramms, maßgeschneiderten Leistungen, Engagement in den Regionen und Interessenvertretung verantwortungsbewusste Geschäftspraktiken zur Selbstverständlichkeit zu machen.

Unabhängige Forschungen zeigen, dass die Zertifizierung einen positiven Einfluss auf die Umwelt, die Gesellschaft und die Wirtschaft hat. Glaubwürdige ausgelagerte Zertifizierungssysteme ermöglichen es Unternehmen, ihr Engagement gegen Abholzung und für den Schutz natürlicher Ressourcen darzustellen und zum Lebensunterhalt und menschenwürdigen Arbeitsbedingungen für Hersteller und ArbeiterInnen auf der ganzen Welt beizutragen. Diese Vorteile der Zertifizierung erklären, warum 2017 die zertifizierte Produktion 16% aller Teeanbaugebiete und fast 25% der weltweiten Kakao- und Kaffeeproduktionsgebiete ausmachte.

Das neue Zertifizierungsprogramm im Jahr 2020 wird zu noch mehr Transparenz führen, ein tieferes Verständnis dafür wecken, welche Auswirkungen unser Handeln hat, und Investitionen in Nachhaltigkeit auf den Gebieten fördern, wo sie am dringendsten benötigt werden.

Die Rainforest Alliance ist überzeugt, dass die Zertifizierung ein Werkzeug unter vielen ist; sie wirkt dann am besten, wenn sie auf die Bedürfnisse von FarmerInnen zugeschnitten ist und von dem langfristigen Engagement aller Akteure der Lieferkette begleitet wird.

2019 Jahresbericht Rainforest Alliance weltweite Zahlen:

  • Mehr als 5 MILLIONEN Hektar des weltweiten Farmlands sind nach unseren Nachhaltigkeitsstandards zertifiziert
  • Wir beteiligen uns an mehr als 100 Projekten, die FarmerInnen, Waldgesellschaften und der Natur direkt zugutekommen
  • Mehr als 2 MILLIONEN Hektar Land werden von integrierten Landschaftspflegeprogrammen abgedeckt
  • 44.000 Produkte sind mit dem Rainforest-Alliance--Siegel oder UTZ-Label ausgezeichnet
  • Mehr als 2 MILLIONEN FarmerInnen folgen unseren Standards, die ihre Existenzgrundlage verbessern und die Natur schützen
  • Weltweit sind mehr als 400.000 KaffeefarmerInnen; 900.000 KakaofarmerInnen; 900.000 TeefarmerInnen und 2.000 zertifizierte BananenfarmerInnen durch uns zertifiziert

Für weitere Informationen, Bildmaterial oder Interviewanfragen, wenden Sie sich bitte an:

Yannik Bartling, Campaign Manager bei Oseon, ra@oseon.com, +49-151-12 71 95 01

Über die Rainforest Alliance

Die Rainforest Alliance ist eine internationale gemeinnützige Organisation, die in mehr als 70 Ländern an der Schnittstelle von Wirtschaft, Land- und Forstwirtschaft arbeitet. Das Ziel der Organisation ist es, eine bessere Zukunft für Mensch und Natur zu schaffen, indem verantwortungsbewusstes wirtschaftliches Handeln zur Selbstverständlichkeit wird. Die Rainforest Alliance bringt Landwirte, Forstgemeinschaften, Unternehmen und Verbraucher zusammen und befasst sich mit den aktuell dringendsten sozialen und ökologischen Herausforderungen. Auf Basis ihres Zertifizierungsprogramms, maßgeschneiderter Lösungen für Produktions- sowie Lieferketten, durch Aufklärungsarbeit und Engagement in Gemeinden und der Landwirtschaft verändert die Rainforest Alliance die Art und Weise, wie vor allem Kakao, Kaffee, Tee, Bananen, Forstprodukte und Palmöl weltweit produziert, bezogen und konsumiert werden. Im Jahr 2019 waren mehr als 5 Millionen Hektar Land und mehr als 2 Millionen Landwirte durch die Rainforest Alliance oder UTZ zertifiziert. Beide Zertifizierungsstandards sind auf die Verbesserung der wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Nachhaltigkeit ausgerichtet.

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