Reaktion auf die Studie der Rosa-Luxemburg-Stiftung vom 8. Juli 2019 zum Teeanbau in Darjeeling

9. Juli 2019

Wir unterstützen die ausgesprochenen Empfehlungen der am 8. Juli von der Rosa Luxemburg Stiftung veröffentlichten Studie „Tee-Exporte aus Darjeeling nach Deutschland“. Dies beinhaltet auch die Forderung nach geeigneten Maßnahmen seitens Regierungen und der Wirtschaft, um strukturelle Ungleichgewichte in der Lieferkette – und damit verbundene niedrige Preise und soziale Probleme – zu adressieren. Denn diese Herausforderungen können nur durch eine Kombination aus verpflichtenden und freiwilligen Maßnahmen, einschließlich Gesetzgebung und Zertifizierung, gelöst werden. Zudem unterstützen wir die Verabschiedung von Gesetzen, dass Menschenrechte in den Anbauländern sowie entlang der gesamten Lieferkette gewahrt werden. Gleichzeitig nehmen wir die Ergebnisse der Studie sehr ernst.

Die Studie hat die vier Teefarmen Pandam, Phuguri, Kalej Valley und Monteviot untersucht und kritisiert die sozialen Bedingungen vor Ort. Tatsächlich durch die Rainforest Alliance zertifiziert, sind die drei Teeplantagen Pandam, Phuguri und Monteviot. In dem vorliegenden Fall haben wir daher unmittelbar nach Bekanntwerden dieser Erkenntnisse unsere eigenen Untersuchungen eingeleitet. Bestätigen unsere Untersuchungen die genannten Missstände auf den Farmen, ist dies ein klarer Verstoß gegen unseren Rainforest Alliance Sustainable Agriculture Standard. Dies kann die Aussetzung der Zertifizierung oder eine Dezertifizierung der Teefarmen nach sich ziehen.

Als Rainforest Alliance arbeiten wir zudem kontinuierlich daran, unsere Standards und Auditpraktiken zu verbessern. So sind beispielsweise unsere landwirtschaftlichen Standards darauf ausgerichtet, die positiven Auswirkungen auf die sozialen Bedingungen, die Umwelt und die Wirtschaft zu maximieren. Dazu gehört die Verbesserung der Arbeitsbedingungen von Arbeitnehmer*innen und der Lebensgrundlagen von Landwirte*innen bei gleichzeitigem Schutz der Umwelt, in der sie leben und arbeiten.

Wir verpflichten uns auch, unseren Teil dazu beizutragen, den Teesektor in Indien nachhaltiger zu gestalten. Daher werden wir uns weiterhin den Herausforderungen in Zusammenhang mit Nachhaltigkeit und Entwicklung stellen. Denn zu den größten Herausforderungen in der Region Darjeeling gehören nach wie vor strukturelle Armut und unzureichende Infrastruktur. Umso wichtiger ist es, dass die Rainforest Alliance dort aktiv bleibt. Wir glauben, dass die Zertifizierung eine treibende Kraft für Verbesserungen ist und werden daher weiterhin mit relevanten Interessengruppen zusammenarbeiten, die an der Teeproduktion beteiligt sind. Ziel ist es, den Strukturwandel voranzutreiben und das Leben der Farmer*innen und Arbeiter*innen im Teeanbau auf der ganzen Welt, einschließlich in Darjeeling, zu verbessern.

Die Rainforest Alliance ist davon überzeugt, dass die Rechte und das Wohlergehen der Arbeiter*innen von größter Bedeutung sind; diese Kriterien sind deshalb ein integraler Bestandteil unseres Standards. Daher enthält der Rainforest Alliance Sustainable Agriculture Standard auch strenge Anforderungen an die Arbeitsbedingungen auf der Grundlage der ILO-Konventionen. 

Die Rainforest Alliance ist zudem Gründungsmitglied und Vollmitglied der International Social and Environmental Accreditation and Labelling Alliance (ISEAL). ISEAL ist eine Organisation, die gegründet wurde, um die Integrität von sozialen und ökologischen Zertifizierungssystemen zu stärken. Deren Mitglieder sind internationale Normungs-, Zertifizierungs- und Akkreditierungsorganisationen.

Die Rainforest Alliance ist der Ansicht, dass Partnerschaft und Zusammenarbeit entscheidend sind, um die großen Herausforderungen beim Thema Nachhaltigkeit im Teesektor anzugehen. Eine Zertifizierung allein kann die tief verwurzelten sozioökonomischen Probleme eines Landes nicht lösen. Unsere Arbeit ist eine gemeinsame Anstrengung mit Produzenten und anderen Akteuren der Lieferkette, einschließlich Regierungen, Unternehmen und NGOs. Die Rainforest Alliance arbeitet auch weiterhin eng mit lokalen und globalen Interessengruppen zusammen. Wir nehmen unsere Rolle dabei sehr ernst, um die Lebensbedingungen auf zertifizierten Farmen in Darjeeling sowie weltweit zu verbessern. 

Hinweis: Nach der Fusion mit UTZ 2018 arbeitet die Rainforest Alliance an einem neuen Zertifizierungsstandard, der bis Januar 2020 veröffentlicht wird.  Weitere Informationen zur Entwicklung unserer neuen Norm finden Sie hier: https://www.rainforest-alliance.org/business/de/solutions/certification/2020-certification-program/

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