Berlin, 24. Juni 2026 — Auf ihrer Kaffeefarm in der brasilianischen Region Minas Gerais hat Ana Lucia Barbosa vier Jahre damit verbracht, ihren Boden von Grund auf zu regenerieren. Sie gehört zur wachsenden Zahl von LandwirtInnen, die gemeinsam mit der Rainforest Alliance in verschiedenen Regionen Lateinamerikas regenerative landwirtschaftliche Praktiken umsetzen. Barbosas Zwischenbilanz ist schon jetzt bemerkenswert: gesündere Pflanzen, stärkere Dürretoleranz und ein besseres Rüstzeug gegen die Klimabelastungen, die den Kaffeeanbau gerade weltweit verändern.
Ihre Geschichte ist eine von vielen im Jahresbericht 2025 der Rainforest Alliance mit dem Titel „Regeneration Takes Root – Regeneration schlägt Wurzeln“. Der Bericht dokumentiert ein Jahr, in dem nachhaltige Investitionen in Lebensgrundlagen von LandwirtInnen, die Wiederherstellung von Ökosystemen und die Transformation von Märkten Ergebnisse mit Breitenwirkung hervorgebracht haben — vom kenianischen Hochland über Kakaofarmen in Ghana bis hin zu Kaffeeplantagen in Nicaragua.
Aktuell verursacht die globale Landwirtschaft 80 Prozent der tropischen Entwaldung. Zugleich könnte der Klimawandel die weltweite Agrarproduktion bis 2050 um bis zu 35 Prozent dezimieren. Jean Louis Mva Ze weiß deshalb, was auf dem Spiel steht: „Der Klimawandel ist nicht imaginär, er ist real“, sagte der Kakaobauer und Kooperativenpräsident aus Kamerun. „Wir alle müssen uns anpassen, die Wälder schützen, uns auf das Land konzentrieren, das wir bereits haben, und gute Praktiken anwenden. So werden wir Erträge steigern, Partner gewinnen und unsere Zukunft sichern.“
In 80 Landschafts- und Gemeinschaftsprogrammen sowie durch ihre Zertifizierungsarbeit in 64 Ländern erzielt die Rainforest Alliance positive Auswirkungen in fünf eng verbundenen Bereichen: Ökosysteme, Biodiversität, Lebensgrundlagen, Klimaanpassung und Menschenrechte. Die Organisation half 2025 dabei, 5,5 Millionen Tonnen Treibhausgasemissionen zu vermeiden oder zu binden (so viel wie rund 4 Millionen konventionelle Pkw in Deutschland pro Jahr ausstoßen), unterstützte den Schutz und die Wiederherstellung von 11,9 Millionen Hektar Ökosystemen (etwa die Fläche Bayerns und Baden-Württembergs zusammen) und informierte mehr als 10,8 Millionen LandwirtInnen und ArbeiterInnen über ihre Rechte und Pflichten. Durch Nachhaltigkeitsprämien und höhere Erträge trug die Organisation zu zusätzlichen Farmeinkommen in der Höhe von 1,91 Milliarden Euro bei — darunter 86 Millionen Euro an direkten Nachhaltigkeitsprämien für LandwirtInnen.
Positiver Wandel vor Ort auf fünf Kontinenten
Die Erfolgszahlen sind auch dem großen Engagement ländlicher Gemeinschaften auf fünf Kontinenten zu verdanken. In Ghana etwa brachte die Rainforest Alliance im Rahmen des EU-LEAN-Projekts FarmerInnen und Gemeinschaften mit Unternehmen und der Regierung zusammen, um mehr als 181.000 Hektar Land zu renaturieren, gut 1.100 freiwillige Feuerwehrleute auszubilden und 1,3 Millionen Bäume zu pflanzen.
In Peru stellten Kichwa-Frauen unter Beweis, dass die Förderung von Geschlechtergleichstellung, das Bewahren von überliefertem Wissen und das Schaffen neuer nachhaltiger Möglichkeiten Hand in Hand gehen können. Mit ihrer frauengeführten Textilmarke erreichten sie 2025 ein Umsatzplus von 35 Prozent.
In den Karnataka, Indien, wo viele Farmen an die Lebensräume von Elefanten grenzen, wurden mehr als 1.000 FarmerInnen, FährtensucherInnen und Reaktionsteams für eine sichere Koexistenz mit den Tieren ausgebildet. So wurden Ernteschäden und Konflikte in den Gemeinden reduziert.
„Das vergangene Jahr hat gezeigt, was möglich ist, wenn LandwirtInnen wirkungsvoll unterstützt werden und Unternehmen über reine Compliance hinaus in echte Investitionen gehen“, sagte Santiago Gowland, CEO der Rainforest Alliance. „Ob die regenerative Landwirtschaft nun an Fahrt aufnimmt, hängt letztlich von Vertrauen ab – und Vertrauen wird durch glaubwürdige, nachweisbare Ergebnisse gewonnen. Unser neuer Standard für regenerative Landwirtschaft stellt sicher, dass positive Auswirkungen auf Bodengesundheit, Biodiversität und Lebensgrundlagen messbar und verifizierbar sind. Unsere Strategie für 2030 geht über die bloße Schadensreduzierung hinaus und zielt darauf ab, die Ökosysteme tropischer Regenwälder wiederherzustellen und zu regenerieren. Denn von ihnen hängt die Zukunft der dort lebenden Gemeinschaften, aber auch der weltweiten Ernährungssysteme ab.“
Neuer Standard für regenerative Landwirtschaft
Die wichtigste Neuerung bei der Rainforest Alliance im Jahr 2025 war die Einführung ihres Standards für regenerative Landwirtschaft— ein wissenschaftlich fundierter, praxisgetesteter Zertifizierungsrahmen mit 119 Anforderungen zu Bodengesundheit, Wasser, Biodiversität, Widerstandsfähigkeit von Nutzpflanzen und sozialen Aspekten. Er bietet LandwirtInnen sowie Unternehmen einen spezialisierten Weg, ihr Engagement für regenerative Praktiken zu vertiefen und das Land, von dem die FarmerInnen leben, aktiv wiederherzustellen.
La Cumplida, eine 2.200 Hektar große Kaffeefarm im nördlichen Hochland Nicaraguas, wurde zur weltweit ersten nach dem Standard für regenerative Landwirtschaft zertifizierten Farm. Die Plantage ist bereits seit mehr als 20 Jahren nach dem Standard für nachhaltige Landwirtschaft zertifiziert und hat ihre Praktiken unter dem neuen Standard weiter vertieft — mit messbaren Ergebnissen: Bienen, Spinnen und Vogelarten, die Schädlinge natürlich kontrollieren, sind zurückgekehrt; die Bodenerosion hat sich verlangsamt; Mikroklimata stabilisieren sich.
Das bewährte Rainforest-Alliance-Siegel für nachhaltige Landwirtschaft ist inzwischen auf 66.000 Produkten in 172 Ländern zu finden. Es gibt VerbraucherInnen weltweit die Sicherheit, dass ihr Einkaufsverhalten Landschaften und Gemeinschaften unterstützt, in denen Mensch und Natur im Gleichgewicht leben.
Auch wenn die Fortschritte real sind, bleibt noch viel zu tun. Die Rainforest Alliance ruft deshalb Unternehmen, Regierungen und Investoren dazu auf, ihr Engagement für regenerative Landwirtschaft weiter auszubauen — und vor allem die LandwirtInnen zu unterstützen, die an der vordersten Front dieser Transformation stehen.
Den vollständigen Bericht in englischer Sprache finden Sie hier.
Weitere Ergebnisse und Kennzahlen zur konkreten Wirkung vor Ort finden Sie hier.



