Kakao
Auf einer Fläche von mehr als 7,5 Millionen Hektar in den Tropen angebaut, sichert Kakao (Theobroma cacao) annähernd 40 Millionen Menschen den Lebensunterhalt. Dazu gehören rund fünf Millionen Bauern und Arbeiter, von denen 90 Prozent Kleinbauern Erntehelfer oder Beschäftigte in einer Kakaofabrik sind. Wie Kaffee lässt sich Kakao unter dem Schattendach heimischer Bäume anbauen, so dass nach wie vor der landschaftliche Eindruck ursprünglichen Waldes erhalten bleibt. Auch ist dies ein Beitrag, den natürlichen Lebensraum bedrohter Pflanzen und Tiere zu erhalten und die Befruchtung und die natürliche Krankheitsbekämpfung etwa der Kakaopest durch natürliche Förderer bzw. Widersacher zu ermöglichen. Ebenso wichtig: Auf diese Weise bleiben sogenannte biologische Korridore erhalten, die für den ökologisch und evolutionsbiologisch wichtigen Austausch zahlreicher Arten unerlässlich sind.
Die Schattenbäume als Teil einer Agro-Forstwirtschaft sind häufig Baumarten, die ebenfalls von wirtschaftlicher Bedeutung sind. So kann der Bauer das Risiko vermeiden, von einer einzigen Fruchtpflanze abhängig zu sein. Nichtsdestotrotz haben viele Bauern Wälder abgeholzt, um neues Land für den noch intensiveren Anbau von Kakao zu gewinnen – auf besonnter Fläche unter Verzicht auf schützende Schattenbäume. Dieser Ansatz führt nur kurzfristig zu Erfolg mit höheren Erträgen und kann nur bei Hybridpflanzen angewendet werden. Die jedoch verdrängen mehr und mehr die ursprünglichen Kakaobäume. Hinzu kommt, dass für den Anbau der Hybriden Agrochemikalien notwendig sind und sie außerdem auf offener Fläche wachsen müssen. Das fördert die Auswaschung von Boden und begünstigt Erosion. Die Folgen sind eine sinkende Bodenfruchtbarkeit und Verunreinigungen von Grundwasser und Fließgewässern, was seinerseits zu einer Gefährdung der Gesundheit führen kann, da das Wasser oftmals als Trinkwasser verwendet wird.
Die Rainforest Alliance setzt sich gemeinsam mit Kakao- und Schokoladeherstellern, öffentlichen Institutionen, lokalen Organisationen und Farmerverbänden dafür ein, dass der Kakaoanbau nachhaltig ausgerichtet wird und auf lange Sicht eine gesunde Umwelt bewahrt und gleichzeitig das soziale Wohlergehen der Beschäftigten sichert. Das Programm, das wir zusammen mit der UNEP in 10 Kakaoanbauländern durchführen, ist ein Beispiel.
Partnerschaften im Ursprung
Ecuador
Die Rainforest Alliance und ihre ecuadorianische Partnerorganisation Conservación y Desarrollo (C&D) haben seit 1997 gemeinsam das Ziel verfolgt, den ursprünglichen, traditionellen Kakaoanbau wieder aufleben zu lassen. Mit Unterstützung der der deutschen Bundesregierung angegliederten Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (heute: Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit - GIZ) und anderen Geldgebern und in Zusammenarbeit mit Krafts Foods wurden gute Fortschritte erzielt. Über 3.000 Kakaobauern in sechs ländlichen Gemeinden haben sich organisatorisch zusammengeschlossen und gemeinschaftlich ihre Anbaumethoden und die Techniken zur Trocknung und Fermentierung der Bohnen verbessert, mit dem Ergebnis, dass sie ihren Rainforest Alliance-zertifizierten Kakao zu Premiumpreisen verkaufen konnten. Der Erfolg dieser Zusammenarbeit hat der Wiederbelebung traditioneller Anbaupraktiken einen enormen Schub versetzt, der unter der Einführung von Hybriden und ihrem Anbau auf offener unbeschatteter Fläche stark zurückgegangen war.
Die Farmer haben gelernt, die Kakaobohnen sorgfältig zu sortieren, zu trocknen und zu fermentieren, und nutzen dafür eine der Gemeinschaft gehörende Aufbereitungsanlage. Dadurch reduziert sich der Anteil beschädigter und verdorbener Bohnen. Gleichzeitig bleiben die Antioxidantien als wertvolle sekundäre Pflanzenstoffe des Kakaos und das Kalium erhalten. Den Kakao in der Sonne zu trocknen statt dafür gasbetriebene Trocknungsanlagen zu verwenden, und ihn über die Kooperative zu vermarkten, mit technischer Unterstützung durch Conservación y Desarrollo (C&D), brachte den Bauern eine höhere Ernte bei gleichzeitig geringerem Kostenaufwand. Beides führt auch zu besseren Lebensbedingungen für sie und ihre Familien.
Côte d'Ivoire
Ebenfalls in enger Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (heute: Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit - GIZ) und Kraft Foods sowie dem US-amerikanischen Entwicklungshilfeministerium United States Agency for International Development und weiteren Partnern wie der ECOM-Agrocacaound Armajaro, dem Nachhaltigkeitsprogramm Sustainable Tree Crop Program und die Nationale demokratische Allianz für den Wiederaufbau der Ivorischen Regierung ANADER unterhält die Rainforest Alliance in den Regionen Issia/Daloa and Abengourou ein Nachhaltigkeitsprojekt, das 1.000 Bauern aus sechs Dorfgemeinschaften einbezieht.