Die Rainforest Alliance launcht Programm zur Sicherung von Krediten für Farmer und Produzenten

11. Juni 2013

Farmer, Rancher und Forstwirte, insbesondere in den Entwicklungsländern, haben in der Regel nur sehr begrenzten Zugang zu Krediten. Um den Erzeugern den Zugang zum Kreditmarkt zu erleichtern, hat die Rainforest Alliance jetzt das Sustainable Finance Program aufgelegt. Denn ohne Finanzierungsmöglichkeiten wird es für Erzeugergemeinschaften immer schwieriger, wirtschaftlich überleben zu können. Nicht selten müssen z. B. künftige Ernten vorfinanziert werden und können solche Kredite erst mit späterer Vermarktung der Erträge wieder ausgelöst werden – von langfristigen Kreditverträgen gar nicht erst zu reden. So leiden unter den immer strengeren internationalen Bankenregularien vor allem die Kleinerzeuger und umso mehr jene, die ihre Land- und Forstwirtschaft von konventionellem Intensivbetrieb auf nachhaltige Praktiken umstellen wollen, etwa um Rainforest-Alliance-zertifiert werden zu können.

„Die Sektoren Land- und Forstwirtschaft werden von Finanzinstituten in der Regel als Hoch-Risiko-Kandidaten klassifiziert, insbesondere wenn es um langfristige Finanzierungsvorhaben geht“, sagt Alexandra Tuinstra, bei der Rainforest Alliance für Farmerfinanzen zuständig. Die Zurückhaltung der Banken werde zudem von der mangelnden Informiertheit der Farmer begünstigt. Diese wüssten häufig nicht, wie Kredite ordentlich beantragt werden müssten und welche Dokumentation sie dafür vorzuhalten hätten. „Unser Ziel ist es, mit dem neuen Programm spezifisch solche Farmer, Rancher und Forstwirte mit dem Bankensektor zusammenzubringen, die bereits Nachhaltigkeitsstandards erfolgreich anwenden und die durch ihr gutes Wirtschaften demonstrieren, dass ihre Betriebe eher kreditwürdig und weniger risikobehaftet sind“, so Tuinstra.

Bereits im März 2013 half die Rainforest Alliance drei Farmergruppen in Guatemala, finanzielle Unterstützung von Finanzinstituten zu erlangen. Die Gruppen wurden zunächst über verschiedene Kredit- und Finanzierungsmodelle des Marktes informiert. Dann begleitete die unabhängige Umweltschutzorganisation die Erzeuger dabei, die notwendigen Dokumentationen und Unterlagen vorzubereiten und stand ihnen bei Verhandlungen mit den Banken zur Seite. Darüber hinaus half die Rainforest Alliance bei der Umsetzung nachhaltiger Praktiken auf den Farmen und trug so zu einer verbesserten Wirtschaftlichkeit der Kleinbetriebe bei. Ziel sei es, dass die Erzeugergemeinschaften so wirtschaften, dass sie selbstständig und erfolgreich Kreditlinien beantragen können.   

Cifuentes Matías, General Manager der Kaffee anbauenden Erzeugergemeinschaft ADESC in Guatemala, findet die Initiative der Rainforest Alliance gut. Er sagt: „Zugang zu Finanzierungen ist essentiell für alle unsere Mitglieder, weil wir in der Regel über das Jahr hinweg nicht über ausreichend Kapital verfügen. Das trifft vor allem vor der Erntesaison zu, wenn die Nassmühlen für ihren Einsatz vorbereitet und die Häuser und Unterbringungen für Saisonarbeiter auf Vordermann gebracht werden müssen, und das jedes Jahr.“ Die Unterstützung der Rainforest Alliance sei anfangs für sie unerlässlich gewesen. „Mittlerweile haben wir es auch allein geschafft, kleinere und für uns hilfreiche Kreditlinien eingeräumt zu bekommen.“

„Die größte Herausforderung für die Erzeuger verbindet sich jedoch mit langfristigen Krediten“, so Tuinstra. „Gerade diese seien unerlässlich, insbesondere wenn die Farmer mit Krisen zu kämpfen hätten, beispielsweise mit vorübergehenden Ernterückgängen durch Schädlingsbefall.“ Als Beispiel nennt die Expertin den Pilz „Roya“, der Kaffeepflanzen in ganz Lateinamerika heimsuche. Kredite würden dann eiligst benötigt, um den Schädlingsbefall erfolgreich eindämmen zu können, oder für den aufwändigen und kostenintensiven Austausch befallener Pflanzen durch gesunde Sträucher.

Die meisten Kreditinstitute und Banken verweigern Kleinerzeugern Kredite, weil sie über die finanzielle Gesundheit ihrer Betriebe keine Angaben machen, keine Historie belegen und kaum Sicherheiten bieten könnten. „Zur Umsetzung einer nachhaltigen Land- und Forstwirtschaft gehört hingegen auch ein ordentliches Dokumentationswesen samt Buchhaltung, Controlling und betriebswirtschaftlicher Planung“, erläutert Mario Lopez, Koordinator für Zukunftsprojekte bei der Rainforest Alliance.

Ergänzend zur Begleitung der Farmer hat die Rainforest Alliance eine weitere Offensive gestartet, die Kreditberater über die positiven wirtschaftlichen Auswirkungen einer nachhaltigen Land- und Forstwirtschaft informiert. Die Organisation zeigt dabei auch auf, wie nachhaltiges Wirtschaften dazu beiträgt, betriebliche Risiken zu minimieren. In diesem Rahmen fand unlängst ein Workshop mit Root Capital in Costa Rica statt. Root Capital ist eine Institution, die Kleinerzeugern und Farmern in Lateinamerika und Afrika Kredite gewährt und Finanztrainings anbietet. Teil des Workshops mit den Bankern war auch der Besuch zweier Rainforest Alliance Certified™-Farmen. Jerónimo Bollen, Vice President Global Programs für Root Capital in Latein-Amerika, begrüßt die Initiative der Rainforest Alliance als einen vielversprechenden Beginn für ein engeres Miteinander von Finanzwelt und nachhaltig wirtschaftenden Farmern, Forstwirten und Erzeugergemeinschaften in Entwicklungsländern. „Diese Zusammenarbeit macht es unserer Kreditabteilung letztlich leichter Kredite an Erzeuger auf Basis ihrer starken umweltfreundlichen Leistungsfähigkeit zu vergeben. Sie sehen die gleichzeitige Kostenreduktion auf betrieblicher Seite und das verminderte Risiko entlang der Wertschöpfungskette“, so Bollen.

Die Rainforest Alliance konzentriert sich derzeit auf Unterstützungsvorhaben in nachhaltiger Land- und Forstwirtschaft in den tropischen Entwicklungsländern. Künftig soll das Programm aber auch auf andere Wirtschaftszweige ausgedehnt werden, so auch auf den Tourismus.