Häufig Gestellte Fragen
Die ausdehnung landwirtschaftlicher nutzflachen ist die größte Bedrohung für den Erhalt der Regenwälder. In Regionen, die sich durch eine große Artenvielfalt auszeichnen, sind landwirtschaftliche Betriebe häufig für Abholzung, Bodenerosion und die Verunreinigung von Wasserläufen verantwortlich. Um diesem Problem entgegenzutreten, haben die Rainforest Alliance und das Sustainable Agriculture Network (SAN) -- eine Koalition unabhängiger gemeinnütziger Umweltschutzorganisationen -- die Rainforest Alliance-Zertifizierung geschaffen.
Gemeinsam mit den neun Mitgliedern des SAN berät sich die Rainforest Alliance mit
Sozial- und Umweltgruppen, mit der Industrie, Regierungen und anderen Interessensgruppen, um Richtlinien für die Landwirtschaft in den Tropen auszuarbeiten. Diese Normen umfassen alle Aspekte der Produktion. Sie schützen die Umwelt, sorgen für gerechte Arbeitsbedingungen und vertreten die Interessen lokaler Gemeinden.
Für Verbraucher ist die Zertifizierung eine Möglichkeit, durch ihre Kaufentscheidung zu Veränderungen beizutragen, die zu einer nachhaltigeren landwirtschaftlichen Produktion führen.
Welche Produkte werden zertifiziert?
Mehr als 100 Kulturpflanzen können gemäß der Umwelt- und Sozialnormen des Sustainable Agriculture Network zertifiziert werden. Laut Stand 2009 sind 49.340 Landwirtschaftsbetriebe und Genossenschaften mit mehr als 580.245 Hektar Bodenfläche in Äthiopien, Brasilien, Costa-Rica, Dominikanische Republik, Ekuador, Elfenbeinküste, El Salvador, Guatemala, Honduras, Indonesien, Jamaika, Kenia, Kolumbien, Mexiko, Nicaragua, Panama, Peru, Philippinen und Tanzania zertifiziert worden.
Wie funktioniert die Zertifizierung?
Dank Zertifizierungsnormen sind Landwirte zu nachhaltigem Management landwirtschaftlicher Betriebe angehalten. Diese Zertifizierungsnormen dienen zudem unabhängigen Inspektoren als Maßstab bei der Bewertung von Verbesserungen im Sozial- und Umweltbereich. Landwirtschaftsbetriebe, die die Normen erfüllen, erhalten das Zertifizierungssiegel der Rainforest Alliance -- eine wertvolle Auszeichnung, die die Vermarktung landwirtschaftlicher Erzeugnisse erleichtert.
Dieses Programm ist insofern einzigartig, da es von lokalen Gruppen durchgeführt wird, die mit Kultur, Umwelt, Anbautraditionen und Regierungen in den Regionen, in denen sie arbeiten, vertraut sind. Lokale Zertifizierungsinstanzen bedeuten niedrigere Kosten, eine größere kulturelle Sensibilität und Vertretung vor Ort für Landwirte, Händler und Exporteure.
Der Zertifizierungsprozess beginnt mit einer ersten Besichtigung vor Ort durch Techniker, die definieren, welche Änderungen für eine Zertifizierung erforderlich sind. Wenn ein Landwirt dann glaubt, dass sein Landwirtschaftsbetrieb die SAN-Zertifizierungsnormen erfüllen kann, beantragt er eine umfassende Inspektion (Audit). Ein Team erfahrener, unabhängiger Inspektoren überprüft dann, ob jeder Aspekt des Landwirtschaftsbetriebes die Normen erfüllt.
Danach entscheidet der Zertifizierungsausschuss auf der Grundlage eines umfassenden Prüfberichts darüber, ob der Betrieb mit dem Zertifikat ausgezeichnet wird. Ein schriftlicher Vertrag regelt und überwacht den Gebrauch des Labels, den Umgang mit zertifizierten Produkten und die Förderung auf dem Markt. Alle Landwirtschaftsbetriebe werden jährlich besichtigt und müssen stetige Fortschritte nachweisen.
Was hat Rainforest Alliance- Zertifizierung mit "Fair Trade" zu tun?
Rainforest Alliance und Fair Trade sind beide internationale Organisationen, die sich für eine Verbesserung der Lebensbedingungen von Farmern und Farmangestellten in den Entwicklungsländern engagieren. Eine Reihe landwirtschaftlicher Produkte sind mit dem Rainforest Alliance Certified™ Gütesiegel versehen, wie zum Beispiel, Kaffee und Bananen, Blumen und Farne sowie Nutzholz, Papier und andere Erzeugnisse aus der Forstwirtschaft. Die Fair Trade Certified™ Marke findet man auf einer Auswahl an landwirtschaftlichen Erzeugnissen, wie zum Beispiel Tee, Zucker, Kaffee und Vanille. Obwohl Rainforest Alliance und Fair Trade ähnliche Missionen und Ziele verfolgen, unterscheiden sie sich doch in ihren Schwerpunkten und Strategien. Lernen Sie mehr.
Was hat die Rainforest Alliance-Zertifizierung mit biologischem Anbau zu tun?
Der biologische Anbau ist eine wichtige weltweite Bewegung, die die Produktivität von Landwirtschaftsbetrieben ohne Einsatz von künstlichen Pestiziden und Düngemitteln ermöglicht. SAN-Normen beruhen auf dem international anerkannten Modell des Integrated Pest Management (IPM, integriertes Pflanzenschutzmanagement), das nur einen geringen, streng kontrollierten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in der Landwirtschaft erlaubt.
In den folgenden beiden Bereichen übertreffen SAN-Normen die Kriterien für biologischen Anbau: Beim Schutz von wild lebenden Tieren und bei den Arbeitsbedingungen. Landwirte, deren Betriebe mit dem Rainforest Alliance-Label ausgezeichnet wurden, verwenden keine von der amerikanischen Umweltschutzbehörde und der Europäischen Union verbotenen Agrochemikalien, sowie POP- (Persistant Organic Pollutants) oder PIC- (Prior Informed Consent) Chemikalien. Von den Managern zertifizierter Landwirtschaftsbetriebe wird verlangt, dass sie biologische oder mechanische Alternativen dem Einsatz von künstlichen Pestiziden vorziehen. Wenn der Einsatz von Agrochemikalien jedoch zum Schutz der Anbaupflanzen unvermeidbar ist, müssen die sichersten Produkte verwendet, sowie sämtliche Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden, um die Umwelt und die Gesundheit der Menschen nicht zu gefährden.
Das Rainforest Alliance-Zertifikat wurde entwickelt, um die Landwirtschaft in ihrer Gesamtheit zu bewerten. Wir sind der Meinung, dass diese Normen für Landwirtschaftsbetriebe jeder Größe einen realistischen und effektiven Weg darstellen, auf den Einsatz von Agrochemikalien zu verzichten.
Dient die Rainforest Alliance-Zertifizierung auch dem Schutz wild lebender Tiere?
Erhalt und Schutz wild lebender Tiere sind integraler Bestandteil unseres auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Managementsystems landwirtschaftlicher Betriebe. Zertifizierte Landwirtschaftsbetriebe können für die Wildnis von großem Vorteil sein: Sie können häufig als Pufferzonen rund um Naturreservate und als "Korridore" zwischen Nationalparks fungieren. SAN-Normen legen Richtlinien für den Schutz von Wäldern und wild lebenden Tieren, sowie für andere schützenswerte Lebensräume in und außerhalb von landwirtschaftlichen Betrieben fest. Zertifizierte Kaffee- und Kakao- Plantagen in geschützten Gebieten müssen den Erhalt Schatten spendender Bäume garantieren, die vielen verschiedenen Tierarten, von Vögeln bis zu Affen, einen Lebensraum bieten. Eine große Zahl zertifizierter Betriebe schützt Waldreservate und verbietet die Jagd dieses Wildlebens.
Wie wird das Programm finanziert? Wer trägt die Kosten?
Rainforest Alliance-Zertifizierungsnormen wurden im Rahmen einer engen Zusammenarbeit zwischen SAN-Mitgliedsgruppen, Landwirtschaftsbetrieben, Wissenschaftlern und vielen anderen ehrenamtlichen Beratern entwickelt. Im Laufe der Jahre haben einzelne Mitglieder, private Stiftungen, Firmen und Regierungen einen Beitrag zum Programm geleistet.
Zurzeit werden nahezu 25 Prozent unserer Betriebskosten durch Gebühren aus Zertifizierungen gedeckt, die Rainforest Alliance und andere SAN-Mitglieder für ihre Dienste in Rechnung stellen. Techniker und Inspektoren werden von den Landwirten pro Tag bezahlt, und auch die Reisekosten werden übernommen. Da die Besichtigungen von Organisationen vor Ort durchgeführt werden, sind die Kosten oft geringer als bei anderen Systemen. Darüber hinaus müssen die Erzeuger eine jährliche Zertifizierungsgebühr bezahlen, die sich nach der Größe ihres Betriebs richtet. Wir suchen nach alternativen Finanzierungsquellen für Landwirte, die sich die Zertifizierungskosten nicht leisten können, und erproben Möglichkeiten, mehr Akteure in die Versorgungskette einzubeziehen, um so die ohnehin bescheidenen Kosten aufzuteilen.
Welche Vorteile haben die Landwirte?
Der Zertifizierungsprozess erhöht die Effizienz der Landwirtschaftsbetriebe, verringert Anwendungen und verbessert das Management. Die Arbeitnehmer profitieren von einem saubereren, sichereren und menschenwürdigeren Arbeitsplatz, an dem ihre Rechte respektiert werden. Zertifizierte Landwirtschaftsbetriebe haben einen besseren Zugang zu Facheinkäufern, genießen eine höhere Vertragsstabilität, günstige Kreditmöglichkeiten, Werbung, technische Hilfe und erstklassige Märkte. Obwohl die Rainforest Alliance- und SAN-Mitglieder an den Verhandlungen zwischen den Landwirten und den Käufern ihrer Produkte nicht direkt beteiligt sind, können die meisten Landwirte die Zertifizierung nutzen, um höhere Preise zu erzielen. Die Qualität landwirtschaftlicher Produkte, sei es Kakao, Kaffee, Orangen oder Bananen, wird allgemein verbessert.
Gibt es einen Markt für Produkte mit dem Label der Rainforest Alliance?
Der grüne Frosch des Rainforest Alliance-Labels ist inzwischen weltweit in unzähligen Cafes, Restaurants, Büros und auf Märkten anzutreffen. Überall auf der Welt halten schlaue Verbraucher nach Öko-Labeln Ausschau und fragen nach Lebensmitteln, die in sozialer und ökologischer Verantwortung erzeugt wurden. Trends setzende Lebensmittelunternehmen und Supermärkte sind in gesteigertem Maße daran interessiert, wie, wo und von wem ihre Produkte angebaut werden und mit welchen sozialen und ökologischen Folgen dies geschieht. Es besteht zunehmender Konsens darüber, dass eine Zertifizierung die wirksamste Möglichkeit ist, die Einrichtung und Durchsetzung von Managementpraktiken sicherzustellen, sowie die Umwelt, Arbeitnehmerrechte und die Interessen lokaler Gemeinschaften zu schützen. Die Rainforest Alliance und ihre Partnergruppen schärfen das öffentliche Bewusstsein für die gegenseitige Abhängigkeit von Landwirtschaft und Natur. Das Zertifizierungslabel der Rainforest Alliance steht für Nachhaltigkeit.

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